Bergbau

In der Rhenegger Gemarkung sind vereinzelt Eisenerzvorkommen von geringer Ergiebigkeit eingestreut. Bereits 1631 wird berichtet, dass aus den Rhenegger Gruben "Semmet" und "Tingeloh" 30 Fuder Eisenstein zur Hütte im "Stryk" gefahren wurden (ein Fuder entspricht ca. 1.145 kg). Nach dem 30jährigen Krieg lief der Betrieb "leidlich" wieder an.
Bedingt durch die Vielzahl der Abbaustellen und dementsprechend auch der vielen Gewerken, in deren Besitz sich die einzelnen Gruben befanden, konnte von einem rationellen Bergbau keine Rede sein. Die Kosten der für den Abbau notwendigen Aus- und Vorrichtungsarbeiten, die Wasserhaltung und die Aufbereitung des gewonnenen Erzes überstiegen die Erträge. Alle schon genannten Abbaustellen in der Rhenegger Gemarkung, nach unseren heutigen Begriffen mehr als primitive Klein- und Kleinstbetriebe, waren in den Händen der verschiedenen Besitzer.
Weiterhin konnte man die ins "Freie gefallenen Abbaue", d. h. die Abbaue, die schon einmal in festen Besitz waren aber z. Zt. von niemanden mehr betrieben wurden, an sich bringen.

Die Bergleute mussten ihren Lohn mit "Schlegel und Eisen" und "Kratze und Trog" ohne weitere Hilfsmittel in harter Arbeit verdienen. Abgerechnet wurde nach "Gedingen", d. h. nach Leistung.

In der Rhenegger Gemarkung kam der Erzabbau um 1700 zum größten Teil zum Erliegen. Da die Ergebnisse der damaligen Schürfungen mehr als unzuverlässig und getreu dem alten Bergmannssatz "vor der Hacke ist es dunkel" völlig vom Glück abhängig waren, war eine vernünftige Planung und ein erfolgversprechender Ausbau der Stollen und Schächte nicht möglich. Nur vereinzelt versuchten "Gewerken" sporadisch wieder einen Abbau aufzunehmen. Diese Versuche wurden aber meistens schnell wieder aufgegeben. Die Spuren des Bergbaus im Simmet sind heute im Wald noch durch eingefallene Stollengänge erkennbar.

In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde im ganzen Waldecker Land in ungeahntem Umfange nach Bodenschätzen geschürft und gemuthet. Dieses "Suchen" fand seinen entsprechenden Niederschlag im "Muthungs- und Belehnungsbuch von Waldeck", geführt beim Bergamt in Adorf. So schürfen Leute aus der ganzen Umgebung auf Eisen, Kupfer usw. Der Hüttenbesitzer Th. Ullrich aus Bredelar tut sich hier besonders hervor. Er schürft in der Gemarkung Adorf und Rhenegge auf Eisen. Er lässt sich am 12.1.1838 einen Muthungsschein ausstellen auf den Eisensteingang am Glockenbusch zwischen dem Kleinen und dem Großen Stautenberg in der Rhenegger Gemarkung. Im April 1838 fängt er am Kleinen Stautenberg und am 20.10.1837 auf einem aussetzenden und im Freien liegenden Eisensteingang am sogenannten "Berle" an. Am "Berle" auch "Birläuber" genannt, eine kleine Erhebung mit einigen Bäumen bewachsen, liegt zwischen dem Triftweg und dem Weißenborn.

Ende Juni 1908 bekam die Waldeckische Landeszeitung die Nachricht, dass die Grube Theodora in andere Hände übergegangen sei und der Betrieb, welcher lange geruht, nunmehr wieder eröffnet werden solle. Über den neuen Besitzer oder die Besitzer erging man sich in allerlei Vermutungen. Wer eben konnte, bewarb sich hier um eine Stelle. Bald waren "einige fünfzig Mann", die vom Direktor, einem Betriebsführer, zwei Steigern, einem Hilfssteiger und zwei Bergbaubeflissenen beaufsichtigt wurden, bei der Arbeit. Es funktionierte alles tadellos. Zahlreiche Förderwagen schafften bei Tag und Nacht Massen von Schutt und Eisenstein zu Tage. Der Hauptbetrieb sollte nach Fertigstellung der großen Maschinenanlagen beginnen. Dann kam ein großer Kessel und viele kleine und große Maschinenteile für den modernen Betrieb. Manche schüttelten den Kopf und hielten den Betrieb bei einem so kleinen und teilweise schon abgebauten Felde nicht für rentabel. Ob die Rechnung aufging oder nicht, dass war jedenfalls "Theodoras" Sache und man fing bald tatsächlich an zu rechnen und begann die Löhne zu reduzieren. Den Bergleuten, welche sich hierin nicht fügen und die neue Arbeitsordnung nicht anerkennen wollten, wurde gekündigt. Am 15. Oktober wurde die Arbeit niedergelegt und Zahlungen erfolgten nicht. Die eben gelieferten und kaum montierten Maschinen wurden wieder abgebaut. Große Schwierigkeiten machte der Abtransport des großen Dampfkessels auf dem losen Feldwege. Es mussten einmal 18 Pferde vorgespannt werden. Nun war es klar: Die Gewerkschaft Theodora war in Zahlungsschwierigkeiten. Die Maschinen, Eigentum der liefernden Firma, sind bereits verschwunden. Die Arbeiter werden ihren Lohn erhalten, sonst kaum jemand etwas. Als Theodora in Konkurs ging, nannten die Rhenegger sie "Grube Kaporia". Fünf Jahre später (1913) wurde der Betrieb von einer Gesellschaft noch einmal großartig begonnen, aber schon bald wieder aufgegeben.

Ein Überbleibsel der Grube Theodora, in die 1908 so große Hoffnung gesetzt wurde, ist eine große Abraumhalde und ein Bahndamm gelegen auf dem Grundstück Hesse/Tigges "Auf der Halle" genannt. Die Abraumhalde und der Bahndamm fanden in den 50er Jahren noch gute Verwendung im Feldwegebau und anderweitigen Auffüllarbeiten.

Auf die Anfrage eines Rhenegger Landwirts an das Regierungspräsidiums Darmstadt ob auf seinen Grundstücken noch eingetragene Bergrechte bestünden, erhielt er am 24.05.2000 die Antwort, dass diese am 08.11.1988 erloschen seien. Diese Mitteilung bestätigt, dass auch amtlicherseits der Bergbau in der Gemarkung Rhenegge zu den Akten gelegt wurde. Der Bergmannsgruß "Glück auf" wird hier wohl nie mehr zu hören sein.

(Quelle: Waldeckische Ortssippenbücher Band 71 Rhenegge)