Die nachfolgenden Bilder und Texte auf dieser Seite stammen aus der Quelle: Seite 47-53, Diemelsee in alten Ansichten von Karl Welteke, Zweite Auflage, ISBN13 978-90-288-2751-6 erschienen 1984 im Verlag: Europäische Bibliothek - Zaltbommel/Niederlande [mit freundlicher Genehmigung des Verlags]


 

 

Das war Rhenegge um 1910, ein Dorf mit stattlichen Bauernhöfen, noch nicht von der Unruhe unserer Tage berührt. Erstmals wurde "Renecke" 1120 erwähnt, zusammen mit Nordeck, das nicht mehr besteht. 1758 brannten 19 Häuser ab, 1822 waren es gar 47, darunter die Kirche und Schule. An der Straße nach Adorf liegen die Meierhöfe: Pohlmann Richts, Köchling Musjahns und Einachts und Leonhard Kanineken. Landwirtschaft aber auch Bergbau haben in Rhenegge Tradition. Schon vor Jahrhunderten wurde um den Semmet Eisenerz gefördert. Die Bergleute bauten ihre Häuser am Knappe und anderswo im Dorfe. Der Bergbau endete 1913 mit der Schließung der Grube Theodora unterhalb des Dorfes. Heute ist Rhenegge Luftkurort und verfügt über eine Kurklinik und moderne Einrichtungen für den Fremdenverkehr. (Anmerkung: DS 2019 - Es war einmal ... Rhenegge ist kein Luftkurort mehr und die ehemalige Kurklinik diente von 1989 bis 1999  als Übersiedlerwohnheim, steht jetzt ca. 20 Jahre leer und verfällt leider zusehends. Wegen Wegfall der Klinikpatienten ist 1988 auch der Fremdenverkehr weg gebrochen. Die ehemaligen Fremdenzimmer gibt es nicht mehr.)

 

 

Nach dem Brand in Rhenegge von 1822 errichtet man auf den Mauerresten die heutige Kirche. Bis zum Wiederaufbau hing die beschädigte Glocke in der alten Linde vor der Kirche und leutete zum Gebet, zur Schule und zu amtlichen Bekanntmachungen. Als Ersatz für die abgebrannte Schule erwarb man das Haus eines Beiwohners bei Frankenberg und baute es hier auf. Als 1888-89 ein neues Schulhaus erbaut wurde,  verkaufte man das alte Gebäude nach Adorf.  Heute steht es als Teil des Hauses von August Müller auf dem Dansenberg.  Lehrer Friedrich Frese, der von 1854-1890 im Dorf wirkte, sitzt auf dem Foto,  das vor dem Einzug in die neue Schule aufgenommen wurde, im Kreise seiner Familie.  Er pflegte täglich unter der Linde den Dorfbewohnern aus der Zeitung vorzulesen. Zeitungen waren damals noch rar.

 

 

Schule und Kirche um 1890

Im Jahre 1902 gründeten Rhenegger Bauern mit Interessenten aus Benkhausen, Giebringhausen, Heringhausen, Ottlar, Stormbruch und Sudeck -später kam Helminghausen dazu- die Molkereigenossenschaft Rhenegge. Vorher wurde die Milch an die Molkerei Adorf und eine Privatmolkerei in Giebringhausen geliefert. Vier Milchwagen sind auf diesem Bild vor der Molkerei. Oben schaut Frau Kiem aus dem Fenster, in der linken Tür steht ihr Mann, der Molkereiverwalter, rechts davon der Vorsitzende Christian Leonhard. Links vorn sitzt Milchfuhrmann Schlömer Wilms aus Benkhausen, rechts vorn Milchfuhrmann Fischer Dämmer aus Stormbruch. Hinter ihm steht Friedrich Berthold und ganz rechts Fisseler Schniederlüden. Die Molkerei wurde 1953 aufgestockt und am 30. September 1969 geschlossen.

 

 

Gegen Ende des Ersten Weltkrieges entstand dieses Bild auf Vöpeln -heute Nierenköther- Hof. Links sind die damaligen Hofbesitzer Heinrich und Friederike Arnold, rechts der Schwiegersohn Karl Bornemann Schniederbernd aus Adorf und seine Frau Johannette geborene Arnold. Neben einem russischen Kriegsgefangenen, in der Mitte stehen zwei Bedienstete des Hofes.

Wie sich die landwirtschaftliche Struktur geändert hat, zeigen folgende Zahlen:
1859 hatte Rhenegge 448 Einwohner bei 68 Familien. Man zählte 6 große, 30 mittlere und 13 kleinere Anwesen.
Damals gab es 90 Pferde, 6 Fahrkühe, 120 Milchkühe, 52 Rinder, 775 Schafe, 80 Schweine und 398 Gänse.

1974 zählte man 13 Pferde, 400 Milchkühe, 970 Rinder, 150 Schafe, 1049 Schweine und 80 Trecker.

 

 

Beim Hufbeschlagen wurde dieses Foto 1919 vor Wilke Kampes Schmiede gemacht. Im Tor steht der Meister Robert Wilke, links davon sind die Lehrlinge Karl Sander und Friedrich Ständeke aus Wrexen. Die Kinder auf den Maschinen links und rechts sind Albert und Karl Wilke aus Bremen. Links des Meisters Tochter Erna mit ihrer Schwester Martha auf dem Arm. Schon 1780 gab es die Eisenschmieden Wilke und Tepel in Rhenegge. Außerdem gab es 4 Schreiner, einen Wagener, 2 Zimmerleute, mehrere Maurer, 5 Schuhmacher, 3 Schneider und einen Bäcker. Die erste Dampfmaschine kam Anfang der Achtziger Jahre aus Wetterburg. Sie wurde mit Misstrauen betrachtet, bis sie ihre Arbeit aufnahm. Statt zu Ostern, war man nun schon zu Martini (11. November) mit dem Dreschen fertig.

 

 

In den Jahren 1904-05 wurde in Rhenegge ein Meisterkursus abgehalten.
Nach erfolgreichem Abschluss stellen sich die Teilnehmer hier vor der Schule zum Gruppenfoto. Soweit sie bekannt sind, sollen sie genannt werden.
In der ersten Reihe von links: Schlosser Christian Janson, Adorf; Schmied Fritz Fahle, Wirmighausen; Emil Wilke, Rhenegge; Stellmacher Heinrich Fisseler, Rhenegge; Stellmacher Fritz Becker, Adorf; Schreiner Karl Brocke, Rhenegge; Stellmacher Karl Wilke, Benkhausen.
In der zweiten Reihe von links: Christian Wilke Duckes, Rhenegge; Schmied Christian Herbold, Wirmighausen und in der Mitte Schuhmacher Fritz Behle, Benkhausen.
Vor der geschlossenen Tür steht Schmied Robert Wilke, Rhenegge; daneben Stellmacher Christian Stede, Rhenegge.
Außerdem sind auf dem Bild: Stellmacher Christian Scheele, Wirmighausen; Müller Heinrich Schulze, Adorf und Maurer Louis Schlüter, Rhenegge.

 

 

Welchem Jäger von heute schlägt nicht das Herz höher, wenn er die Strecke betrachtet, die die Jagdgesellschaft Anfang der zwanziger Jahre im Rhenegger Revier hatte. Über 50 Hasen und 4 Rehe hat man auf dem Pflaster vor der Gastwirtschaft Bangert Schwarten niedergelegt, wo man sich nach dem Abschluss des Jagens zum Umtrunk versammelt hat. Der 3. von rechts ist der Wirt Fritz Bangert, der 7. Bürgermeister Christian Leonhard, der 10. Hillebrand Knepper, der 11. Westmeier und der 3. von links Friedrich Hernekers. Links und rechts stehen die Kinder des Gatwirts, Fritz Bangert und Lina (heute Frau Wilke, Adorf).